Dr. Esto Mader
Diversity and Gender Equality
Zentrum transdisziplinäre Geschlechterstudien
Humboldt Universität Berlin
Meine Forschung lässt sich in der Soziologie und den Gender Studies verorten. Geschlecht, Diversität und soziale Ungleichheiten stehen stets im Zentrum meiner Betrachtung. Zentral ist mir die Analyse und Erklärung von Ungleichheiten und Diskriminierungen im Alltag, auf dem Arbeitsmarkt, in Organisationen, in der Wissenschaft, Medizin und Psychologie. Meine Forschung verbindet normativitätskritische Perspektiven auf Alltagserfahrungen mit Analysen von gesellschaftlichen Strukturen und Prozessen.
Bücher
Die Gender Studies zeichnen sich nicht nur durch ihr Hinterfragen von Macht- und Herrschaftsstrukturen, sozialen Ungleichheiten und Normativitäten aus, sondern verstehen sich explizit als Wissenschaft, die sich selbst reflektiert. Dafür ist es nötig, unterschiedliche wissenschaftliche Ansätze, Perspektiven und Standpunkte einzunehmen. Ein wichtiges Spezifikum der Gender Studies ist ihre Inter- und Transdisziplinärität: Einerseits führt ihre kritische Perspektive über die Disziplingrenzen hinaus und andererseits verbindet die Kritik verschiedene disziplinäre Forschungsfelder miteinander. Aufgrund der Inter- und Transdisziplinarität kann kaum von den Methoden der Gender Studies gesprochen werden. Vielmehr finden sich in den Gender Studies vielfältige Methoden und Methodologien unterschiedlicher Disziplinen und Denkrichtungen. Diese Methodenvielfalt verstehen wir als Stärke der Gender Studies. Konsens dieser Vielfalt ist: die Fragestellung ist leitend für die Methoden. Für Studierende kann diese Vielfalt an möglichen methodischen Ansätzen vor allem im frühen Stadium eines Studiums der Gender Studies schwierig zu greifen sein. Das Lehrbuch unterstützt Studierende der Gender Studies bei der Orientierung und bietet eine Einführung in die praktische Umsetzung von Forschungsvorhaben. Fokus der einzelnen Beiträge liegt auf der Spezifik der disziplinären bzw. erkenntnistheoretischen Zugänge, Entwicklung einer Fragestellung und einer exemplarischen Umsetzung.
In queeren Räumen fühlen sich Subjekte stark, die sonst marginalisiert sind. Mittels eines imaginierten Basiskonsens und einer eigenen affektiv-ästhetischen Logik entsteht hier das Gefühl von Zuhause: Es können das zugeschriebene »being different« ausgelebt, Netzwerke geknüpft und sich gegenseitig gefeiert werden. Doch auch solche Räume sind durch Hierarchien, szene-interne Normen und Ausschlüsse strukturiert, was zu steten Aushandlungen führt. Diese sind maßgeblich an der queeren Raumproduktion und den darin entstehenden Handlungsfähigkeiten beteiligt. Esto Mader zeigt mittels diffraktiven Arbeitens die Dynamik queerer Räume und stellt fest: Fluidität ist diesen Räumen intrinsisch gegeben.
Die Beiträge dieses Bandes widmen sich Positionen, Perspektiven, Praktiken und Körpern jenseits der cis-endo-Zweigeschlechtlichkeit. Sie wollen hierbei insbesondere der Verflechtung von Geschlecht mit weiteren Machtdimensionen Rechnung tragen. Anknüpfend an die bisherigen Bände des ITW zur aktuellen Forschung zu Trans* und Inter* Studien im deutschsprachigen Raum fokussiert dieser Band Beiträge, die einen normativitätskritischen Blick einnehmen, sowie Beiträge, die die Intersektionen von Macht- und Dominanzverhältnissen im Feld der Trans* und Inter* Studien systematisch berücksichtigen. Sie kommen aus verschiedenen geistes- und sozialwissenschaftlichen Kontexten und Disziplinen, wie Gender Studies, Erziehungswissenschaften, Soziologie, Theologie, Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie und Kulturwissenschaften sowie aus der Beratungspraxis, und sind unterteilt in die Abschnitte „Community Wissen und Praktiken“, „Medizinkritik“ und „Repräsentation“.
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Trans* und Inter* Studien - Machtkritische Perspektiven auf Repräsentation, Medizin und Wissen
Der Band liefert mit seinen Texten einen Beitrag zu den im deutschsprachigen Raum noch recht jungen Feldern der trans* und intersex* studies. Sie nehmen eine dezidiert psychiatrie- bzw. medizin- und normativitätskritische Perspektive auf Trans* und Inter* ein. Dabei beleuchten sie diese zwei Phänomene in verschiedenen Disziplinen. Gemeinsam ist ihnen einerseits das produktive Hinterfragen von wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskursen um diese Phänomene und andererseits des Verhältnisses von Gesellschaft und dem Marginalen. Nicht zuletzt aktualisiert der Band damit jenen für die feministische Forschung äußerst bedeutsamen Diskurs um parteiliche Forschung, den Maria Mies 1978 mit ihren Methodischen Postulaten initiierte. Er versteht sich dementsprechend auch als Beitrag zur solidarischen Verbindung von feministischer Forschung und queer theory. Das Forum Frauen- und Geschlechterforschung eröffnet damit Raum innerhalb des (queer)feministischen Diskurses, um Trans* und Inter* Stimmen Sichtbarkeit zu verleihen.
Gegendiagnose III nimmt Pathologisierungsprozesse und ihre Folgen in den Blick. Kritisch werden psychiatrische und psychologische Strukturen und Einrichtungen beleuchtet. Der dritte Band besticht mit seinen Überlegungen zu Potentialen und Risiken kollektiver Praktiken und Selbsthilfe.
Die vergangenen Jahre waren geprägt von der globalen Corona-Krisenerfahrung. In diesem Band fragen wir daher nach Krisenerfahrungen sowie nach kollektiven Praktiken im Umgang mit ihnen. Die Beiträge kritisieren psychiatrische und psychologische Strukturen und Einrichtungen. Die Vielfalt zeigt sich auch in der Form der Beiträge, denn es finden sich Gedichte, Songtexte und Bildbeiträge in der Gegendiagnose III.
Im zweiten Band liegt der Schwerpunkt auf den Momenten, in denen „wir“ uns pathologisieren und selbst regieren und welche Rolle dabei Begriffe wie psychische Gesundheit und Krankheit, Normalität und Eigenverantwortung spielen. Die ‚zweite Gegendiagnose‘ zeichnet sich durch eine große Vielfalt an expliziter und reflektierter Diversität der Perspektiven aus, ebenso durch eine Varianz der Beitragsformen. Von wissenschaftlicher abstrakter Theoriearbeit und Analyse über autoethnografische Zugänge bis hin zu sehr persönlichen Erfahrungsberichten und Prosa, von der Betroffenen- über die Angehörigen-Perspektive bis hin zu der Perspektive der ‚Professionellen‘ sind vertreten. Dieses Nebeneinander der Perspektiven ist als Kritik an der vorherrschenden Definitionsgewalt der Psy-Disziplinen und ihrer Institutionen zu verstehen. Die Beiträge analysieren Mechanismen und Auswirkungen des neoliberalen psychologischen_psychiatrischen Gesundheitssystems und fragen nach Widerstandsmöglichkeiten auf unterschiedlichen Ebenen.
Forschungs-schwerpunkte
Geschlechterverhältnisse und Diversität auf dem Arbeitsmarkt und in Organisationen
Gender in MINT
Queere, Trans*, Inter* und Nicht-binäre Studien
Anti-Diskriminierung und Intersektionalität
Gender und Diversität in Gesundheit/Mental Health
Wissenschafts- und Objektivitätskritik